Hier finden sie Informationen über Andrea Palladio und die Stadt Vicenza in Venetien - Italien.
Palladio ist ein Architekt der schon vor 500 Jahren Ideen zu Papier gebracht hat, die noch heute Geltung haben. Wenn man sich mit Architektur beschäftigt, sollte man seine "Vier Bücher zur Architektur" gelesen haben. Diese Bücher (nun in einem Buch) lesen sich fast wie ein Roman, sind interresant und informativ.

Die Informationen für einen Vortrag über Palladio sind während einer Reise nach Venetien zusammengetragen worden.

Die Bilder stammen von mehreren Reisen.

Stadt und Provinz Vicenza nehmen den mittleren Teil Venetiens ein. Als erste Bewohner dieses Gebietes gelten die Urvenetier (antikes Volk), was auch durch zahlreiche Funde belegt ist.
Im 4. Jahrhundert erschienen die Römer, die dem Gebiet mit ihrem "Lex Saltus" (Gesetzestexte) eine wirtschaftliche und juristische Gestalt gaben.
 
Nach der römischen Herrschaft und bis um das Jahr 1000 fiel das Gebiet häufigen Einfällen fremder Völker zum Opfer. Es verwüstete stark und verarmte. Damit veränderte sich die Landschaft. Die im Rahmen der römischen Herrschaft ins Leben gerufenen Agrarkulturen wurden aufgegeben. Wald und Weiden rückten zu Lasten der Felder vor. Erschwerend kamen ausgedehnte Überschwemmungen hinzu. Zudem hatte sich die Landbevölkerung infolge der Notstände verringert, die erst nach dem Jahre 1000 wieder anwuchs.
Mit dem allmählichem Anwachsen der Bevölkerung erklärt sich der Versuch des Menschen, sich des Bodens wieder neu zu bemächtigen, also die Landschaft neu zu prägen.
 
Auf den Landsitzen von Feudalherren oder religiösen Verbänden vollzog sich die Urbarmachung und die soziale Neuordnung dank dem Werk von Benediktinern und Zisterziensern. Die Tätigkeit dieser Orden war im wesentlichen von der weltgeistlichen Kirche losgelöst, die durch die Bischöfe die Städte beherrschte. Dies führte zu einer Trennung von Stadt und Land, wie sie sich in den vorangegangenen Jahrhunderten schon deutlich abgezeichnet hatte. Auf die weitläufigen Urbarmachungen folgte eine Zeit der besonderen Sorgfalt in der Regelung und im Anbau der Agrarkulturen.
 
Das Landschaftsbild wandelt sich. Es spiegelt das Bewußtsein der Bürgerschaft um die individuelle Tätigkeit wider. Während es früher um große, einheitlich erdachte und ausgeführte Vorhaben ging, erlebt man jetzt eine weitgehende Zerteilung des Landschaftsbildes.
Bürgerlicher Landsitz ist vor allem in den alten Anbaugebieten zu finden, die keine erheblichen Boden Verbesserungsmaßnahmen erfordern, sowie in der Nachbarschaft der in vorangegangene Urbarmachungswelle einbezogenen Landstriche. Diese erste Ausdehnung der bürgerlichen Besitztümer beeinflußt die immer häufiger werdenden Ansiedlungen, während sich das Verhältnis von Stadt zu Land mit der Neigung zur Verstädterung und dem einsetzenden Kapitalfluß zum Land verändert.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermehrt sich der Erwerb von Boden auf dem Festland seitens des vicentinischen und des venezianischen Adels. Die starke Nachfrage nach bebaubarem und bebautem Land übertrifft das Angebot. Naturgemäß steigen die Preise .
 
Daher wird sumpfiges, zuweilen bewaldetes Brachland urbar gemacht. Dieses wird nun als landwirtschaftlich nutzbar in den Grundstücksmarkt mit einbezogen. Während die Überwachung und Verwaltung des Geländes erst in den folgenden Jahrhunderten endgültige und rechtliche Formen annehmen, wirkt sich das Interesse des vicentinischen und des venezianischen Adels schon jetzt auf die Wohnstruktur des herrschaftlichen Betriebes aus. Obwohl dieser im 16. Jahrhundert noch nicht klar ausgeprägt ist, erfolgt gerade in diesem Zeitabschnitt die endgültige Verwandlung der mittelalterlichen Burg zum Herrenhaus und Verwaltungszentrum des Großgrundbesitzers .
So beginnt die Entwicklung zu einem neuen Villentyp, dem wir in der Landschaft des Veneto begegnen.
Mit der Verwandlung einer Klasse von Großgrundbesitzern im frühen 16. Jahrhundert beginnt für die Landwirtschaft eine Epoche der Ausdehnung.
 
Die neuen Landhäuser kennzeichnen die Forderung der Patrizier nach einer maßgeblichen Stellung im landwirtschaftlichen Betrieb und in den Genossenschaften zur Verbesserung oder Urbarmachung der Ländereien. Es entstehen die Villen des Cinquecento, deren Berühmteste von Palladio stammen. Der Übergang von der mittelalterlichen Burg zur Renaissance- Villa hat sich vollzogen.
Nicht Befestigungen sind nötig, um den Landbesitz zu verteidigen, sondern Agrarverwaltungen.
Die Umgebung erhält ein neues Gesicht. Sie breitet ihre Acker und Felder aus. Wildnis wird zum Saatland. Doch im 17. Jahrhundert bremst eine Krise diese Entfaltung mit folgendem Stillstand in den Produktionsinvestitionen. Es setzt wieder ein fortschreitender Verfall und Zerfall ein. Man kehrt zur Weide und Viehzucht zurück. In dieser Zeit behauptet sich die Villa als Landsitz des städtischen Adels . Im 18. Jahrhundert belebt sich der Kapitalfluß zum Land, eine neue Bürgerschicht bildet sich heraus.

Bedeutende Söhne Vicenzas

Baumeister: Palladio (1508-1580)
  Rocco aus Vicenza (auch Bildhauer)
  Vicenzo Scamozzi (1552-1616)
  Antonio Pizzocaro
  Carlo Borella
  Giuseppe Marchi
  Ottone Calderari
Malkünstler: Battista aus Vicenza
  Bartolomeo Montagna
  Giovanni Buonconsiglio (15.Jahrh.)
  Francesco Maffei
Literat: Giangiorgio Trissino
Dichter: Giacomo Zanella
Anatom: Bartolomeo Panizza
Weltumsegler: Antonio Pigafetta
Romanschriftsteller: Antonio Fogazzaro
Naturwissenschaftler: Paolo Lioy
Ökonom: Fedele Lampertico

 

Vicenza

Vicenza ist "die" Stadt Palladios. Hier hat der große Architekt Villen, Paläste und ein Theater gebaut. Man zählt heute noch 12 Bauten aus der Hand Palladios:

Palazzo della Ragione - genannt
Basilica - Piazza dei Signori 
Loggia del Capitaniato - Piazza dei Signori 
Palazzo Chiericati - Piazza Matteotti 
Teatro Olimpico - Piazza Matteotti 
Palazzo Thiene - Corso A. Palladio 
Palazzo Barbarano - Contrada Porti 11 
Paiazzo Iseppo Porto - Contrada Porti 16
Palazzo Schio - Contrada San Marco 39 
Palazzo Valmarana - Corso Fogazzaro 16 
Palazzo Porto Breganze - Piazza Castello 
Villa Almerico - La Rotonda - Via della Rotonde 
Arco deile Scalette - Piazzale Fraccon

Und schon Goethe bemerkte auf seiner Italien- Reise:

 

Und dann ist es höchst erquickend, den Palladio nach so vieler Zeit als Polarstern und Musterbild von seinen Bürgern verehrt zu sehen.

Zitate

Bei jedem Bau sollen drei Dinge beachtet werden, ohne die ein Gebäude kein Lob verdient. Diese drei Dinge sind: Der Nutzen oder die Annehmlichkeit, die Dauerhaftigkeit und die Schönheit.

Denn ein Gebäude, das nützlich aber von geringer Lebensdauer ist. oder aber stark und fest, ohne aber bequem zu sein, oder auch die beiden ersten Bedingungen erfüllt, aber jeder Schönheit entbehrt, kann nicht als vollkommen bezeichnet werden.

Annehmlichkeit erzielt man. wenn jedem Teil der ihm angemessene Ort und die Lage zugeteilt werden, die weder geringer sein dürfen, als es seine Würde verlangt, noch größer, als es seinem Gebrauch zukommt.

Schönheit entspringt der schönen Form und der Entsprechung des Ganzen mit den Einzelteilen, wie der Entsprechung der Teile untereinander und diese wieder zum Ganzen, so daß das Gebäude wie ein einheitlicher vollkommener Körper erscheint. Entspricht doch ein Teil dem anderen und sind doch alle Teile unabdingbar und notwendig, um das zu erreichen, was man gewollt hat.

Alles ist Proportion, Komposition und Gleichgewicht.

Goethe über Palladio: Palladio war durchaus von der Existenz der Alten durchdrungen und fühlte die Kleinheit und Enge seiner Zeit. Wie ein großer Mensch, der sich nicht hingeben, sondern das Übrige soviel als möglich nach seinen edlen Begriffen umbilden will. Palladio hat mir den Weg zu aller Kunst und Leben geöffnet.

 

Objekte


Landkarten, Stadtpanorama, Palladio  1/1-6 Basilika  1/7-30 
Piazza dei Signori   1/31-33 
Kirche San Vicenca (F S.11) (V S.12)   1/34-36 
Loggia del Capitaniato   1/37-42
Palazzo Chiericati   1/43-2/7 
Hotel-Piazza Matteotti   2/8-12 
Teatro Olimpico   2/13-34 
Allgemeine Stadtansichten   2/35-37 
Arco delle Scalette (F S.26)   2/38-40
Kirche Monte Berico (F S.24) (V S.84)   2/41-3/10 
Villa Valmarana ai Nani (F S.32) (V S.91)   3/11-20 
Rotonda   3/21-4/12 
Allgemeine Stadtansichten   4/12-14 
Dom (F S.18) (V S.20)   4/15-21
Porto Castello (F S.18)   4/22-23 
Salvi-Garten / Loggia Valmarana (F S.18)+(F S.11)   4/24-28 
Palazzo Porto Breganze   4/29-30 
Allgemeine Stadtansichten (Krankenhaus)   4/31-39 
Casa Pigaffetta (F S.27) (V S.14)   4/40-41
Palazzo Valmarana   4/42-47 
Palazzo Iseppo Porto   4/48-5/4 
Palazzo Schio   5/5-7 
Palazzo Caldogno-Da Schio - Ca D'Oro (F S.19) (V S.35)   5/8-9 
Palazzo Thiene   5/10-14
Palazzo Barbarano   5/15-16 
Corso Andrea Pailadio / Casa del Pailadio (V S.41)   5/17-22 
Piazza Castello / Allgemeine Stadtansichten   5/23-43
schwarzes Dia - ENDE   5/44

Literatur 

P = Palladio - Wundrahm/ Pape / Marton
F = Vicenza: città artistica del Palladio - Vittoria Rossi (Stadtführer)
V = Vicenza: die Stadt Palladios - Sandro Chierichetti (Illustrierter Kunstführer)
D = Die vier Bücher zur Architektur - Andrea Palladio

 

Palladio wurde am 30. November 1508 als Andrea di Piero de la Gondula in Padua geboren, einer Stadt, deren Kultur und Tradition sich gleichermaßen auf Theorie und Praxis gründete. Nicht umsonst rühmt sich diese Stadt einer Universität, die 1222 gegründet wurde. Die Herkunft Andreas war bescheiden. Er war der Sohn Pieros de la Gondula. Seine ersten Aktivitäten in der Architektur bleiben im Dunkeln, waren sie doch auf das Handwerk eines Steinmetzen beschränkt, also auf rein ornamentale Aspekte der Baukunst. Jahre später, 1570, geht er auch in seinen 4 Büchern zur Architektur auf seine Ausbildung nicht besonders ein. 

Palladio: Von einer natürlichen Begabung angeregt, widmete ich mich seit meinen frühesten Jahren dem Studium der Architektur. Da ich seit jeher der Ansicht war, daß die alten Römer, wie auch in vielen anderen Dingen, so auch im Bauen all Jenen die nach ihnen kamen. um vieles voraus waren, wählte ich Vitruv zu meinem Meister und Führer.

In Padua hatte diese Entwicklung begonnen. 1524 brach er seinen Lehrvertrag ab und floh in das naheliegende Vicenza, wo er die nächsten 14 Jahre Gehilfe in der Werkstadt von Giovanni di Giacomo da Porlezza in Pedemuro war. Und Vicenza sollte die Stadt Palladios werden. Hier fand er die besten Bedingungen für seine künstlerische Weiterentwicklung. Eine ritterlich gebildete Atmosphäre, die wohl am besten durch den Amateur- Architekten, Dichter und Humanisten Giangiorgio Graf Trissino vertreten wurde, der schließlich Palladio zum Mentor wurde.

Trissino gab Andrea di Piero den Namen Palladio, der sich von Pallas, der griechischen Göttin der Weisheit herleitet. Dank weiterer Studien und der Nobilisierung (Vernobeln) seines Namens, fand er mit Trissinos Unterstützung Eingang in höhere Kreise der Vicentiner Gesellschaft. Ein großer Teil seiner späteren Auftraggeber sollte aus diesen Familien hervorgehen. Bild Nr.5

Denn was bestimmt denn die Idee der Villen, was repräsentierten sie? Sie sind vor allem die Ergebnisse des Baubooms, wenn man so sagen darf, der nach 1530 in Vineto entstanden war. Die kapitalkräftige Aristokratie Venedigs und Vicenzas hatte durch Großkäufe Land gewonnen.

Die neuen Besitzer brachten ihre adelige Kultur auf das Land mit. Sie verlangten als Großgrundbesitzer städtische Annehmlichkeiten. Dieser Forderung kam Palladio entgegen, indem er diese Villen so klassisch edel gestaltete, damit das Exil auf dem Lande einigermaßen erträglich wurde.

Wo Proportion herrscht, da kann nichts Überflüssiges bestehen. Diesem Grundsatz ist Palladio bei dem Entwurf zu seinen Villen gefolgt. Er stammt von Vitruv. In einfühlsamer Rücksichtnahme auf die Landschaft hat er so adelige Wohnsitze geschaffen. Über den eleganten Räumen der Landsitze und der Architektur Palladios, vergißt man fast den praktischen Zweck, den diese Bauten auch erfüllen sollten.

An der alten Gotik hatte dieser Palladio wenig Freude. Er nannte sie eine konfuse Kunst. Palladios Bauten in Veneto, Vicenza und Venedig zeichnen sich durch helenistisches Feingefühl, alexandrienische Dramatik, römische Größe und renaissancehaftes Blühen aus .

Renaissance, das bedeutet Wiedergeburt aus dem Geist der Antike. In Norditalien des 16. Jahrhunderts regierte aus diesem neuen Geist Andrea Piero, den man Palladio nannte.

Palladio: Die Tempel müssen weite Portiken mit Säulen haben, die größer sind als jene, die sich zu anderen Bauwerken schicken. Und es ist gut, wenn sie groß und prächtig sind, aber nicht größer, als es der Größe der Stadt entspricht, und wenn sie mit großartigen Proportionen errichtet sind. Da sie für den göttlichen Kult gemacht sind, steht ihnen jede Großartigkeit und Macht zu. 
Man muß die Tempel mit den prächtigsten Säulenordnungen schmücken und man muß jeder Ordnung die zu ihr passenden und die sich ihr schickenden Verzierungen geben. Man erbaut sie aus dem besten und kostbarsten Material, damit man mit der Tempelgestalt, mit den Verzierungen und dem Material der Gottheit alle nur mögliche Ehre erweist. 
Und wenn es möglich ist, so soll man es so machen, daß der Tempel eine solche Schönheit besitzt, daß man sich nichts Schöneres vorstellen kann. Er sollte in allen Teilen so angeordnet sein, daß die Eintretenden staunen und bei der Betrachtung seiner Anmut und Wohlgefallen in tiefstem Herzen berührt stehen bleiben. 
Von allen Farben paßt keine so gut zu den Tempeln, wie das Weiß, da die Reinheit dieser Farbe und die Reinheit des menschlichen Lebens in höchstem Maß Gott angemessen ist.
 
Wie einige seiner Zeitgenossen hatte Palladio versucht dem inneren Sinn antiker römischer Bauten auf die Spur zu kommen. Also fand er - erfand er - ein harmonikales System. Folgte bei der Konstruktion einer Zahlenmystik, die sich in den Proportionen des Gesamtbaues spiegelt. Das mag dem Laien unverständlich sein. beweist aber, daß Palladio ein gelehrter Architekt war, der in allen seinen Bauten einer Musik in Stein folgte.

Und wirklich, seine Bauten sind Musik zur höheren Ehre Gottes, der das ganze Weltall, wie die Bibel lehrt, nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet hat ;-)

Unterkategorien