Palladio wurde am 30. November 1508 als Andrea di Piero de la Gondula in Padua geboren, einer Stadt, deren Kultur und Tradition sich gleichermaßen auf Theorie und Praxis gründete. Nicht umsonst rühmt sich diese Stadt einer Universität, die 1222 gegründet wurde. Die Herkunft Andreas war bescheiden. Er war der Sohn Pieros de la Gondula. Seine ersten Aktivitäten in der Architektur bleiben im Dunkeln, waren sie doch auf das Handwerk eines Steinmetzen beschränkt, also auf rein ornamentale Aspekte der Baukunst. Jahre später, 1570, geht er auch in seinen 4 Büchern zur Architektur auf seine Ausbildung nicht besonders ein. 

Palladio: Von einer natürlichen Begabung angeregt, widmete ich mich seit meinen frühesten Jahren dem Studium der Architektur. Da ich seit jeher der Ansicht war, daß die alten Römer, wie auch in vielen anderen Dingen, so auch im Bauen all Jenen die nach ihnen kamen. um vieles voraus waren, wählte ich Vitruv zu meinem Meister und Führer.

In Padua hatte diese Entwicklung begonnen. 1524 brach er seinen Lehrvertrag ab und floh in das naheliegende Vicenza, wo er die nächsten 14 Jahre Gehilfe in der Werkstadt von Giovanni di Giacomo da Porlezza in Pedemuro war. Und Vicenza sollte die Stadt Palladios werden. Hier fand er die besten Bedingungen für seine künstlerische Weiterentwicklung. Eine ritterlich gebildete Atmosphäre, die wohl am besten durch den Amateur- Architekten, Dichter und Humanisten Giangiorgio Graf Trissino vertreten wurde, der schließlich Palladio zum Mentor wurde.

Trissino gab Andrea di Piero den Namen Palladio, der sich von Pallas, der griechischen Göttin der Weisheit herleitet. Dank weiterer Studien und der Nobilisierung (Vernobeln) seines Namens, fand er mit Trissinos Unterstützung Eingang in höhere Kreise der Vicentiner Gesellschaft. Ein großer Teil seiner späteren Auftraggeber sollte aus diesen Familien hervorgehen. Bild Nr.5

Denn was bestimmt denn die Idee der Villen, was repräsentierten sie? Sie sind vor allem die Ergebnisse des Baubooms, wenn man so sagen darf, der nach 1530 in Vineto entstanden war. Die kapitalkräftige Aristokratie Venedigs und Vicenzas hatte durch Großkäufe Land gewonnen.

Die neuen Besitzer brachten ihre adelige Kultur auf das Land mit. Sie verlangten als Großgrundbesitzer städtische Annehmlichkeiten. Dieser Forderung kam Palladio entgegen, indem er diese Villen so klassisch edel gestaltete, damit das Exil auf dem Lande einigermaßen erträglich wurde.

Wo Proportion herrscht, da kann nichts Überflüssiges bestehen. Diesem Grundsatz ist Palladio bei dem Entwurf zu seinen Villen gefolgt. Er stammt von Vitruv. In einfühlsamer Rücksichtnahme auf die Landschaft hat er so adelige Wohnsitze geschaffen. Über den eleganten Räumen der Landsitze und der Architektur Palladios, vergißt man fast den praktischen Zweck, den diese Bauten auch erfüllen sollten.

An der alten Gotik hatte dieser Palladio wenig Freude. Er nannte sie eine konfuse Kunst. Palladios Bauten in Veneto, Vicenza und Venedig zeichnen sich durch helenistisches Feingefühl, alexandrienische Dramatik, römische Größe und renaissancehaftes Blühen aus .

Renaissance, das bedeutet Wiedergeburt aus dem Geist der Antike. In Norditalien des 16. Jahrhunderts regierte aus diesem neuen Geist Andrea Piero, den man Palladio nannte.

Palladio: Die Tempel müssen weite Portiken mit Säulen haben, die größer sind als jene, die sich zu anderen Bauwerken schicken. Und es ist gut, wenn sie groß und prächtig sind, aber nicht größer, als es der Größe der Stadt entspricht, und wenn sie mit großartigen Proportionen errichtet sind. Da sie für den göttlichen Kult gemacht sind, steht ihnen jede Großartigkeit und Macht zu. 
Man muß die Tempel mit den prächtigsten Säulenordnungen schmücken und man muß jeder Ordnung die zu ihr passenden und die sich ihr schickenden Verzierungen geben. Man erbaut sie aus dem besten und kostbarsten Material, damit man mit der Tempelgestalt, mit den Verzierungen und dem Material der Gottheit alle nur mögliche Ehre erweist. 
Und wenn es möglich ist, so soll man es so machen, daß der Tempel eine solche Schönheit besitzt, daß man sich nichts Schöneres vorstellen kann. Er sollte in allen Teilen so angeordnet sein, daß die Eintretenden staunen und bei der Betrachtung seiner Anmut und Wohlgefallen in tiefstem Herzen berührt stehen bleiben. 
Von allen Farben paßt keine so gut zu den Tempeln, wie das Weiß, da die Reinheit dieser Farbe und die Reinheit des menschlichen Lebens in höchstem Maß Gott angemessen ist.
 
Wie einige seiner Zeitgenossen hatte Palladio versucht dem inneren Sinn antiker römischer Bauten auf die Spur zu kommen. Also fand er - erfand er - ein harmonikales System. Folgte bei der Konstruktion einer Zahlenmystik, die sich in den Proportionen des Gesamtbaues spiegelt. Das mag dem Laien unverständlich sein. beweist aber, daß Palladio ein gelehrter Architekt war, der in allen seinen Bauten einer Musik in Stein folgte.

Und wirklich, seine Bauten sind Musik zur höheren Ehre Gottes, der das ganze Weltall, wie die Bibel lehrt, nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet hat ;-)