Im Zentrum der Altstadt von Vicenza steht das Rathaus, die Basilica. Früher auch Palazzo della Ragione genannt. Die Nordfassade der Basilika blickt auf die Piazza dei Signori, die südliche auf die Piazza delle Erbe, die schmale, westliche Fassade auf die Piazza Palladio. Hier steht auch das Denkmal des Baumeisters.
 
Nachdem Palladio sein Können mit dem Bau der Villa Godi unter Beweis gestellt hatte, erhielt er den Auftrag, das alte gotische Rathaus neu zu gestalten. Er brauchte keinen neuen Bau auszuführen, es galt nur das alte Gebäude mit einer neuen Hülle, mit einem Mantel zu umgeben.
 
Palladio erfüllte diesen Auftrag zwischen 1546 und 1549. Er führte eine zweigeschoßige Loggia auf. Diese von Palladio entworfenen Loggien haben das Bild des Stadtzentrums verändert. Sie sind von einer außerordentlichen Raffinesse gekennzeichnet.
 
Am Erdgeschoß erkennt man die kraftvollen dorischen und toskanischen Säulenordnungen. Im Obergeschoß Ionische und korinthische. Diese doppelte Loggienreihung war der erste große Wurf Palladios aus dem Geist des römischen Architekturtheoretikers Vitruv. Sie erinnert auch an die Gliederung des Colosseums in Rom. Alles strahlt hier Hoheit und Ruhe aus.
 
Die von Palladio persönlich bis zu seinem Tod geleiteten Arbeiten konnten erst im Jahre 1640 abgeschlossen werden. Die Nachfolger hielten sich wohl an die ursprünglichen Pläne, aber ohne sie jedoch bis ins letzte Detail zu verwirklichen, was unter anderem zur Folge hatte, daß die kurze Ostfront (ehemalige Bürgermeister- Residenz) als Ziegelbau erhalten blieb.
 
Das den gesamten Bau der Basilika beherrschende architektonische Motiv ist die Wiederholung dreifach gegliederter Fensteröffnungen, deren Mittelteil bogenförmig gestaltet ist, wogegen die jeweiligen beiden Seitenöffnungen von Querfriesen (Fries = begrenzender Streifen) überdacht sind. Die Monothematik wirkt keineswegs ermüdend und eintönig, vielmehr verkörpert sie ein rhythmisches Element.
Zwei Treppenaufgänge führen in das Obergeschoß der Basilika: Eine von der Piazza dei Signori aus, die andere von der Piazetta Palladio aus.
Mit der Neugestaltung des alten Rathauses hatte sich Palladio den Ruf eines großen Stadtarchitekten erworben. Er wurde in den folgenden Jahren immer häufiger berufen, die Stadt mit neuen Bauten zu schmücken.
 
Palazzo della Ragione: Basilica (= königliches Haus) - Piazza dei Signori
(P S.64) (Q S.260) (F S.8) (V S.14)
 
13.Jahrh. - 3 öffentliche Gebäude: Bürgermeisterresidenz, Versammlungsaal des Rates, Justizpalast
15.Jahrh. - aus den 3 Gebäuden entsteht 1 Bauwerk mit Runddach, es bekommt den Namen Palazzo della Ragione 1496 - Antonio Rizzo beginnt mit dem Bau einer Arkardenreihe 
1498 - Giorgio Spavento führt den Bau fort, Gebäudeteile stürzen ein, mehrere Aufbauversuche 
1546 - Wettbewerb wird ausgeschrieben: Giovanni da Pedemuro und sein Schüler Palladio entwickeln ein neues Aufbauprojekt, im selben Jahr trennt sich Palladio von Pedemuro 
1549 - Palladio bekommt den Auftrag und beginnt mit dem Bau 
1561 - das Erdgeschoß ist vollendet 
1564 - Beschluß zur Ausführung der oberen Loggia wird umfaßt 
1617 - Bauarbeiten beendet 
17. Jahrh. - bis zur Mitte dieses Jahrhunderts dauert die Vollendung des Skulpturenschmucks 
1945 - Dach wird durch eine Fliegerbombe zerstört; Wiederaufbau und Restaurierung nach original Plänen Palladios 

Saal - 52m * 21m, für alte Rathäuser charakteristisch 
Säulen - EG = toskanische Doppelsäulen, OG = ionische Doppelsäulen
Turm - der große Turm - Torre di Piazza - Turm der Pissari 12. bis 15. Jahrhundert
Die Piazza dei Signori wird nicht nur von der Basilika bestimmt. Beachtlich ist neben dem gotischen Campanile ein weiterer Bau Palladios. Die Loggia del Capitaniato wurde in den Jahren zwischen 1565 und 1571 entworfen.
Loggien (= Gallerie) dieser Art waren bereits im Mittelalter Schauplätze städtischer Feiern und Zeremonien.
 
Die alte Loggia Vicenzias war zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Krieg zerstört worden. Also entschloß sich der Rat der Stadt, Palladio mit einem Neubau zu beauftragen.
An der Vorderfront sehen wir 4 korinthische Halbsäulen, die auf Steinpostamenten (= Sockel) stehen. Sie tragen einen dreifach gegliederten Architrav (= liegender Balken), der von Fenstern unterbrochen ist.
Diese Loggia del Capitaniato bildet mit der gegenüberliegenden Basilika eine urbanistische (städtische) Einheit. Sie trägt eindrucksvoll zur Gestaltung des ganzen Platzes bei. In überraschendem Kontrast zu der Fassade steht die Gliederung der Seitenwand, die sich zur Via del Monte wendet.
 
Obwohl Entwurfsunterlagen und eindeutige schriftliche Informationen fehlen, kann man davon ausgehen, daß der errichtete Bau nur ein Teil des ursprünglich geplanten Projektes ist, das 5 oder 7 Achsen umfaßte.
Palladio wohnte den Bauarbeiten nicht persönlich bei, doch verdanken wir im zweifellos den Entwurf zur kolossalen korinthischen Säulenordnung der Loggia und Söllerfenster (Söller = Balkon) sowie der die Hohlleiste überragenden Balustrade.
 
Loggia del Capitaniato: Piazza dei Signori
(P S.216) (F S.10) (V S.17)
 
1571 - Entwurf Palladios,
Heute Sitz des Gemeinderates
Komplizierter, weil vielschichtiger , ist der Palazzo Chiericati aus dem Jahre 1550. Beachtlich ist hier die luftige Fassade. die ein wenig an die der Basilika erinnert. Jedenfalls ist sie auffallend gegliedert, urbanistisch nicht weniger wertvoll als die Basilika .
Dieser Bau ist einer der eigenwilligsten Schöpfungen Palladios, die ganz für sich allein betrachtet werden muß. Zugleich ist dieses Palais ein Monument der Vicentinischen Renaissance.
 
Mit nur zwei architektonischen Themen, nämlich Mitteltrakt mit Fenstern und beiderseits angeordnete, übereinander gelagerten Loggien, erzielte Palladio einen unvergleichlichen malerischen Effekt .
Ein der Fassade gleichsam vorgeblendeter offener Portikus (= Säulenvorbau) lenkt zwangsweise zu der Annahme, daß die Fassade weniger die Funktion übernimmt, äußeres Repräsentationszeichen des Palastes zu sein, sondern sich vielmehr als Bestandteil des Platzes, nämlich der Piazza d'Isola (Piazza Matteotti). präsentiert.
 
Zu der Ausbildung von Säulen- und Bogenstellungen wird von Vitruv und Leon Battista Alberti folgende Theorien aufgestell:
Für beide ist es unmöglich einen Bogen auf einer Säule liegen zu Lassen . da nur gerades Gebälk als würdiger Abschluß zu denken ist.
 
Alberti macht sogar den Vorschlag, daß die Säulenstellung mit geradem Gebälkabschluß bei Portiken für die ausgezeichneten Bürger anzuwenden sei, während im allgemeinen den Bürgerhäusern eine Bogenstellung angemessen sei.
 
Es ist daher anzunehmen, daß Giorolamo Chiericati in der vizentischen Gesellschaft eine ausgezeichnete Stelle einnahm und somit Anspruch auf diese noble Fassadengestalltung erheben konnte.
Der Palazzo Chiericati dient heute als Stadtmuseum.
 
Palazzo Chiericati:Piazza Matteotti
(P S.78) (F S.12) (V S.42)
 
1550 - Entwurf Palladios
1551 - Baugenehmigung beim Rat eingereicht
1554 - der südliche Teil des Palastes mit der Loggia ist fertig
1556 - Vicenza wird von einer Pest Epidemie heimgesucht
1557 - Girolamo Chiericati stirbt; sein Sohn Valerio tritt sein Erbe an: im fertigen Teil des Palastes finden Umfangreiche Dekorationsarbeiten statt 
1570 - erster Bezug des Palastes durch Valerio Chiericati 
1579 - Valerio setzt 400 Dukaten zur Vollendung des Palastes aus
1609 - Valerio Chiericati stirbt
1746 - erst jetzt scheint der Bau beendet zu sein
1838 - die Stadt Vicenza erwirbt den Palast und renoviert ihn
1855 - seit diesem Datum beherbergt der Palazzo Chiericati das "Museo Civico"
Das Teatro Olimpico ist das letzte Werk Palladios, der im August 1580, wenige Monate nach Beginn der Bauarbeiten starb. Andere Baumeister, darunter hauptsächlich Scamozzi, vollendeten das Bauwerk, wenngleich auch mit geringfügigen eigenmächtigen Varianten, im Sinne der ursprünglichen Entwürfe.
 
Das Teatro Olimpico wurde zwischen 1580 und 1584 aus den Beiträgen der Mitglieder der Accademia Olimpica gebaut und zwar auf dem Grundstück der alten Burg Carraresi, von der noch Mauerreste am Parkeingang zu erkennen sind.
Hinter dem Proskenion (= antike Theaterbühne) öffnet sich eine wunderbare Perspektive der 5 Straßen Thebens.
Palladios Absichten werden am reinsten verkörpert in den ansteigenden Sitzreihen im Sinne elliptischer Kurven, die ein Kranz von Interkolumnien (Abstand zweier Säulen) abschließt.
Palladio schwebte kein Theater im eigentlichen Sinne vor, sondern eine ausgesprochene architektonische Raumgestaltung als würdiger Rahmen erhabener Aufführungen.
 
 
Teatro Olimpico: Piazza Matteotti
(P S.226) (F S.8) (V S.51)
 
1579 - Baugelände erworben
1580 - Baubeginn
1584 - Theatereinweihung mit der Sophokles- Tragödie "Ödipus Rex"
1914 - Gestaltung des oberen Abschlusses des Zuschauerraumes